INSTALLATION
Es ist kurz vor Weihnachten, es ist nicht „Bethlehems Stall“ sondern die ehemaligen Stallungen der Trabrennbahn der Kriau in Wien. Die beiden Künstler_innen Bastian Petz & Johannes Lernpeiss scheinen es sich recht gemütlich gemacht zu haben in ihrer Box. In einer Mischung aus Fetisch und wildem Tier, sitzen sie in einer, an Omas Wohnzimmer erinnernden Situation gemeinsam mit einem Plüsch-Pony und sticken Spermaflecken (in Kreuzstich) in „Wichshandtücher“. Trinken Portwein und rauchen Zigaretten.
An der gegenüberliegenden Wand befindet sich eine Art Gebetsaltar. Auf Augenhöhe ist ein, in silber und schwarz, üppig geschmückter, lebendiger Christbaum in Bondage Manier an die Wand gekettet, sein Wurzelballen geht über in einen großen schwarzen Dildo. Darunter ein Bild, vom Schein schwarzer Kerzen beleuchtet, mit der Inschrift „Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht.“ (Kate Bush, Hello Earth) Davor eine Gebetsbank die einlädt sich nieder zu knien.
Die Pferdetränke wird zum Weihwasserbecken und ganz oben unter der Decke hängt eine Diskokugel.
PERFORMANCE
Kinder kommen hereingestürmt beim Anblick des kleinen Plüsch Ponys.
-darf ich am Pony reiten
-nein ich
-nein ich war zuerst….
Die Eltern mit ihren Kinderwägen und Taschen kommen gar nicht so schnell nach, sehen erst gar nicht was da alles passiert, es dämmert, sie erstarren und trauen sich kaum den Stall zu betreten. Die Tierchen sticken weiter, in aller Ruhe…
-kommt Kinder das Kindermalen ist da drüben
-nein ich will nicht, will hier beim lieben Pony bleiben
-nein komm jetzt da gibt es auch echte Ponys …
Es ist elf Uhr Zeit für Portwein, die Handarbeit wird in das Nähkästchen gelegt, kunstvoll geschliffene Kristallgläser werden aus dem Regal genommen. Portwein. Prost.
-wollen Sie sich auf ein Gläschen Portwein zu uns setzen?
Fragt der Fetisch Tiger eine Besucher_in
-was machen Sie denn da?
-Tschurifetzen!
-sie sind doch gar nicht aus Wien, woher wissen Sie was Tschurifetzen sind?
-wir beschäftigen uns mit der Kultur und der Sprache der Stadt in der wir leben und wir produzieren handgestickte Tschurifetzen
-das ist aber schon etwas ordinär..
-wissen Sie, es geht uns in unserer Kunst genau darum tabuisierte Themen aufzugreifen und anders zu interpretieren. In diesem Fall ein Produkt daraus zu machen das Sie mit nach Hause nehmen können.
GEDANKEN
Bastian Petz und Johannes Lernpeiss werden in ihrer Installation durch ihre Performance selbst zum Ausstellungsstück. Das Subjekt wird zum Objekt und das vollbeladene Bild wird zum kritischen Gedankenanstoß und zur künstlerischen Thematisierung vom Verhältnis zwischen Fetisch, Sex und Liebe sowie einer Kritik von Konsum und Kitsch des Fetischs Weihnachten.
Durch die Darstellung der Künstler_in als Tier im „Streichel-Zoo-Käfig“, das Kunst als „Highclass-Hygieneartikel“, nach einem nich an Katolizismus-Kritik sparenden Ritual auch noch geweiht an die Besucher_innen verkauft wird, thematisiert in diesem vielschichtigen Tableau Vivant nicht nur Gesellschaftskritik sondern vor allem auch, in aller Tiefe, die Lebensrealität von Kunstschaffenden.
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