Die Sound Pharmacy wurde 2014 im Rahmen des Theaterfestivals Mimamusch von der SelfSightSeeing Company gemeinsam mit der Soundkünstlerin Natascha Muhic und dem Architekten Alexander Gabriel entwickelt und 5 Wochenenden performativ bespielt sowie im Rahmen eines Seminars von Univ.-Prof. Dr. Brigitte Marschall am TFM-Institut der Universität Wien von Student_innen erforscht. Anfang 2015 wurde die Sound Pharmacy von der Akademie der Bildenden Künste ins Semperdepot eingeladen, dort weiterentwickelt und durch Lichtobjekte von dem Künstler Sebastian Lehner ergänzt.
Von Dezember 2016 bis Ende Jänner 2017 befand sich die Sound Pharmacy im Ladenlokal der Schönbrunner Straße 6 und wurde durch Masken der Künstler_in YKMANN erweitert.
Die Sound Pharmacy versteht sich als Projekt welches sich stetig weiterentwickelt. Der interaktive Raum der durch die Installation erschaffen wird bietet vielen exoerimentellen Performer_innen und Musiker_innen die Möglichkeit der Präsentation ihrer Konzepte.
 
Sound Pharmacy
 
There were always sounds, but did one lend them an ear, properly?
(Mladen Dolar, The Burrow Of Sound)
 
Die Sound Pharmacy ist ein Gemisch, eine Fusion. Als performative Rauminstallation, die Anleihen sowohl an historischen Apothekeneinrichtungen und Laborgeräten als auch an Tempeln, Altären und Hexenküchen nimmt, vereint sie Musik, Gesang und Performance mit Praktiken des Rituals, Zaubersprüchen und Tanz. Ingredienzien von Alchemie und Zauberkunst verbinden sich mit Elementen der modernen Wissenschaft zu einem flüchtigen Stoff, der sich der Ordnung von Rationalität und Fortschritt entzieht. Während DJs und Soundartists eine Atmosphäre aus Rhythmen, Geräuschen und Stimmen kreieren, bereiten Performer Mixturen aus verschiedenen Substanzen, laden sie mit Klang auf und transformieren sie, um sie dem Publikum darzureichen. Die Zuschauer sind zugleich Beteiligte; sie werden gleichermaßen verführt und abgeschreckt, immer jedoch vor die Frage gestellt, wie weit sie sich auf das Geschehen einlassen: Bleiben sie Beobachter, nehmen sie teil oder gar die Mixtur in sich auf?
Das Auge, Insigne der Aufklärung, suggeriert den Sicherheitsabstand des Überblicks, eine Rezeption auf Distanz, die sich jederzeit beenden lässt, um sich auf die Ebene des Verstandes zu retten und Herr der Situation zu bleiben: das Auge lässt sich schließen. Dagegen ist das Ohr immer offen, lässt Klangelemente eindringen und ihre Wirkung entfalten, ist Zugang für Verlockung und Verwirrung: Klänge umhüllen die Besucher und durchströmen sie zugleich.
Die Sound Pharmacy lässt so einen Raum der Interaktion entstehen, der Abgrenzungen erkennbar werden lässt und sie gleichsam in Frage stellt. In Gemisch, Gebräu und Geräusch löst sich die Grenze von Innen und Außen auf, brechen sich Energien ihre Bahn und erzeugen Resonanzen, die Einteilungen und Unterscheidungen fortspülen und neue Beziehungen aufmachen: von Zeiten, von (Kunst-)Formen, von Körpern.
 
And now about the cauldron sing,
Like elves and fairies in a ring,
Enchanting all that you put in.
William Shakespeare, Macbeth
 
Text /// Maren Mayer-Schwieger
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