Das Projekt (T)Raumparademo entstand aus der Übung: „Art as Research“ -Wissenschaftliches Forschen und/als künstlerisches Forschen von Prof. Brigitte Marschall am Institut für Theater- Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien in Kooperation mit der SelfSightSeeing Company und Tanz durch den Tag.  Die geplante kunstbasierte Forschung über das Festival „Oneironauthika“ von Tanz durch den Tag wurde im Verlauf des Prozesses zu einer mit Student_innen gemeinsam entwickelten Demonstration als performative Intervention im öffentlichen Raum, der (T)Raumparademo.

(T)RAUMPARADEMO

Am 14. Mai versammeln wir uns und ziehen als (T)Raumparademo durch die Stadt mit Kunstperformances, Musik und einer klaren Forderung: Wir brauchen mehr Freiraum in Wien!

Mit unserer Demonstration wollen wir darauf aufmerksam machen, dass der öffentliche Raum ein Gut ist, das jedem gehört, von jedem genutzt und bespielt werden kann und sollte. Doch die Orte werden immer weniger, an denen Menschen selbstbestimmt ihr Zusammenleben gestalten und ihren kulturellen Bedürfnissen entsprechen können – unabhängig von Herkunft oder Einkommen, von Geschlechter- oder Sexualitätsnormen. Wir wollen eine offene Stadt, die Möglichkeiten einräumt, die Individualitäten und Gemeinschaften stattfinden lässt – eine lebendige Stadt!

(T)RAUM: Wünsche stattfinden lassen, Möglichkeiten eines Anders-Seins entwerfen und einräumen, Wirklichkeit als etwas Offenes, Veränderbares vor- und herstellen, indem wir

PARA: ein Nebeneinander von Lebensformen, die Heterogenität von Existenzweisen und die Vielfältigkeit von Gesellschaft

DEMO: zeigen und fordern!

Zur (T)Raumparademo ruft die selfsightseeing company im Auftrag von Tanz durch den Tag auf. In Kooperation mit Prof. Brigitte Marschall und Studierenden der Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien wird das Thema „Recht auf Freiraum“ künstlerisch-performativ umgesetzt. Neben Proklamationen, Musik und Transparenten werden unsere Forderungen so vor allem durch Performances, Interventionen und mobile Installationen in die Öffentlichkeit und in (Inter-)Aktion gebracht.

Auf diese Weise wollen wir mehr setzen als ein bloßes „Nein!“ oder ein „Dagegen!“. Wir wollen Möglichkeitsräume eröffnen, Alternativen zu bestehenden Strukturen und Ordnungen aufzeigen, Veränderungen in Gang bringen und ein Anders-Sein und Anders-Leben präsent machen. Das beginnt mit unserer Form von Demonstration selbst: mehr als eine Versammlung Gleichgesinnter, die im Einklang durch die Stadt marschieren, geht es uns um Vielfältigkeit, die auch in der Demonstration ihren Ausdruck finden kann und muss. Unsere Entscheidung, das gängige Ausdrucksspektrum von Demonstrationen zu erweitern und mit künstlerischen Mitteln politische Forderungen zu stellen, spiegelt unser Verständnis von Wirklichkeit als etwas Multiples, das offen und dynamisch ist, das immer wieder neue, andere Lebens- und Ausdrucksweisen hervorbringt, die nebeneinander existieren, sich austauschen, vermengen, transformieren und sich auch widersprechen – eine Wirklichkeit der Straße, die Symphonie und Kakophonie zugleich ist.

Die (T)Raumparademo ist aus einer Notwendigkeit heraus entstanden, aus unserem dringenden Anliegen, auf die Beschränkungen aufmerksam zu machen, die Einzelnen, Gruppen, Veranstaltungen und Versammlungen auferlegt werden, die Lebensweisen einengen oder gar verhindern, die die Zugänge zu und die Nutzung von städtischem Raum erschweren und versperren, die individuelle Bedürfnisse und Gestaltungswünsche ebenso wie gemeinschaftliches Miteinander und Austausch regulieren, reglementieren und oftmals verhindern.

An diese Grenzen ist auch Tanz durch den Tag gestoßen. Tanz durch den Tag begann 2010 als Festival mit dem Ziel, eine freie für jede/n zugängliche Kulturveranstaltung zu bieten, die Kunst Tanz und Musik vereint. Doch allein die Nutzung von Freiflächen ist sowohl durch rechtliche Auflagen als auch durch von der Stadt erhobene Kosten stark reglementiert und mit einem immensen finanziellen Druck verbunden, dem nichtkommerzielle Veranstaltungen oft nicht standhalten können. Davon ist auch das Tanz durch den Tag-Kollektiv betroffen. Deswegen haben wir uns heuer gegen die Veranstaltung eines Festivals und stattdessen für eine Demonstration entschieden, um für unsere Rechte auf die Straße zu gehen und in der Mitte der Stadt unsere Anliegen und Forderungen in die Öffentlichkeit zu bringen.

Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass offenen Orte, an denen ein kulturelles Leben möglich ist, das von institutionalisierten und kommerzialisierten Angeboten abweicht, kaum noch ein Platz in der Stadt eingeräumt wird. Dabei geht es um mehr als das Veranstalten von alternativen Festivals: Es geht um die Frage für wen der Stadtraum überhaupt (noch) verfügbar und nutzbar ist; es geht um den Zugang zu und die Möglichkeit von Kultur und es geht um die Vielfalt unserer kulturellen Landschaft. Damit steht nicht zuletzt das Leben in unserer Stadt und das Stattfinden von Gemeinschaft und von Partizipation auf dem Spiel.

Wir fordern mehr Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Stadtleben, mehr Orte, an denen Menschen nach ihren Bedürfnissen kulturell gestalten können, Orte der Teilhabe und des Miteinanders, die offen sind – offen für die Vielfalt der Bewohner und ihrer Wünsche, offen für Neues. Unsere Stadt braucht diese offenen Orte, die frei sind von heteronormativen Beschränkungen. Denn nur an ihnen kann sich Kreativität entfalten, kann etwas entstehen, tun sich Freiräume auf – Freiräume des Denkens, des Lebens und der Gemeinschaft. Deshalb demonstrieren wir Anderssein, Vielfältigkeit, Kreativität und Veränderung: für unser Recht auf Freiraum!

 

 

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